Ingo Dachwitz

 “In der evangelischen Kirche herrscht bisher kaum eine Kultur vor Technologie als Faktor wahrzunehmen, anstatt sie nur als Mittel zum Zweck einzusetzen.”

Ingo Dachwitz, Redakteur, netzpolitik.org

Jana Schlender

“Wir haben die Schwierigkeit, dass der Verein so viele Kommunikationswege hat und die Mitglieder auch hohe kommunikative Ansprüche stellen, der Verein aber gar nicht die Ressourcen hat, diese zu bedienen.”

Jana Schlender, Vorstand, Mörchenpark e.V.

Adrian de Souza Martins

“Die Freiwilligen interessieren sich weniger für Öffentlichkeitsarbeit die am PC stattfindet, sondern bevorzugen den direkten Kontakt und die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.”

Adrian de Souza Martins, Mitgründer und Vorstandsmitglied, nepia e.V.

Olivia Reber

“Bei der Social Media-Öffentlichkeitsarbeit eines Projekts ist eine schnelle, agile und spontane Reaktion und Postings nötig. Ein dreitägiges Abstimmungsverfahren über einen Post ist dabei nicht möglich. Das funktioniert nicht.“

Olivia Reber, Projektleitung, NEZ-Neukölln

Philipp von der Wippel

 “Es muss Anreize geben, Kooperationsmodelle zwischen großen Trägern und kleinen Initiativen zu entwickeln. Von allein wird es keine Kooperation geben, da es nicht Teil der institutionellen Logik der großen Träger ist.“

Philipp von der Wippel, Mitgründer, ProjectTogether

Ingo Dachwitz

 “In der evangelischen Kirche herrscht bisher kaum eine Kultur vor Technologie als Faktor wahrzunehmen, anstatt sie nur als Mittel zum Zweck einzusetzen.”

Ingo Dachwitz, Redakteur, netzpolitik.org

Jana Schlender

“Wir haben die Schwierigkeit, dass der Verein so viele Kommunikationswege hat und die Mitglieder auch hohe kommunikative Ansprüche stellen, der Verein aber gar nicht die Ressourcen hat, diese zu bedienen.”

Jana Schlender, Vorstand, Mörchenpark e.V.

Adrian de Souza Martins

“Die Freiwilligen interessieren sich weniger für Öffentlichkeitsarbeit die am PC stattfindet, sondern bevorzugen den direkten Kontakt und die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.”

Adrian de Souza Martins, Mitgründer und Vorstandsmitglied, nepia e.V.

Olivia Reber

“Bei der Social Media-Öffentlichkeitsarbeit eines Projekts ist eine schnelle, agile und spontane Reaktion und Postings nötig. Ein dreitägiges Abstimmungsverfahren über einen Post ist dabei nicht möglich. Das funktioniert nicht.“

Olivia Reber, Projektleitung, NEZ-Neukölln

Philipp von der Wippel

 “Es muss Anreize geben, Kooperationsmodelle zwischen großen Trägern und kleinen Initiativen zu entwickeln. Von allein wird es keine Kooperation geben, da es nicht Teil der institutionellen Logik der großen Träger ist.“

Philipp von der Wippel, Mitgründer, ProjectTogether

Expert*inneninputs zur sechsten Kommissionssitzung am 10.05.2019

“Die Freiwilligen interessieren sich weniger für Öffentlichkeitsarbeit die am PC stattfindet, sondern bevorzugen den direkten Kontakt und die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.”

Adrian de Souza Martins, Mitgründer und Vorstandsmitglied, nepia e.V.

Zur sechsten Sitzung

Die Sachverständigenkommission des dritten Engagementberichts trifft sich im etwa monatlich. Zu jeder Kommissionssitzung werden Vertreter*innen von Vereinen, Organisationen oder Aktivist*innen eingeladen, um mit den Kommissionsmitgliedern über ihre Erfahrungen aus der Praxis zu diskutieren.

Die sechsten Input-Session trug den Titel Lessons Learned. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Schwierigkeiten und Hürden für die Umsetzung von Digitalisierungsschritten (wie z.B. Social Media und digitale Öffentlichkeitsarbeit, Nutzung von Plattformen oder die Umstellung auf neue digitale Infrastruktur) in Organisationen des zivilen Engagements?

Im Folgenden können Sie die Statements der Inputgeber*innen lesen. Es ist außerdem möglich, das vollständige Protokoll herunterzuladen.

Inputgeber*innen

Ingo Dachwitz

Dachwitz

Redakteur, netzpolitik.org

Ingo Dachwitz ist studierter Medien- und Kommunikationswissenschaftler, Redakteur bei netzpolitik.org und Mitglied beim Verein Digitale Gesellschaft. Er gibt Workshops für junge und ältere Menschen in digitaler Selbstverteidigung und lehrt im internationalen Studiengang "Digital Media" zur politischen Ökonomie digitaler Medien. Gelegentlich moderiert er Veranstaltungen und Diskussionen, etwa auf der re:publica oder beim Netzpolitischen Abend in Berlin. Ingo ist Mitglied der sozialethischen Kammer der Evangelischen Kirche in Deutschland und versucht, auch die Evangelische Kirche mit dem digitalen Zeitalter vertraut zu machen.

"In der evangelischen Kirche herrscht bisher kaum eine Kultur vor Technologie als Faktor wahrzunehmen, anstatt sie nur als Mittel zum Zweck einzusetzen."

Ingo Dachwitz ist hauptberuflich Redakteur bei netzpolitik.org und hat sich als Jugendvertreter im Kirchenparlament der evangelischen Kirche und als Mitglied im Vorstand der evangelischen Jugend viele Jahre dafür eingesetzt, das Thema Digitalisierung auf die Agenda der evangelischen Kirche zu bringen. Diese habe in Deutschland 14.000 Gemeinden, sei föderal und weitestgehend demokratisch organisiert und weise über 20 Millionen Mitgliedern mit unterschiedlichen Graden an Aktivität/Engagement auf. Die Kirche habe eine stark formalisierte Organisationsstruktur, in der die Gemeinden die Basis bilden, die in 20 Landeskirchen organisiert sind die wiederum Teil der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) sind. Dachwitz sieht für die Kirche viele Möglichkeiten, von der Digitalisierung zu profitieren. Insb. in den Bereichen Kommunikation sei dies möglich, z.B. indem in den sozialen Medien Präsenz gezeigt, Online-Seelsorge angeboten oder auch die Verwaltung digitalisiert wird. "Inzwischen gibt es ein gewisses Bewusstsein über die Veränderung und Möglichkeiten der Digitalisierung, aber es gibt noch einige Hürden". Die Hürden fasst Dachwitz in fünf Punkte zusammen:

  1. "Die Struktur, die wenig Raum lässt": Auch wenn die evangelische Kirche demokratisch organisiert ist, sei sie dennoch eine sehr hierarchische Organisation, was zu strukturellen Hürden führe. "Es wird stark in Ämtern und Aufgaben gedacht und wenig Freiraum in der engen Struktur für das Ausprobieren von Neuem und dem Erkunden der Möglichkeiten der Digitalisierung gelassen", so Dachwitz
  2. Organisationskultur: In der evangelischen Kirche werde nicht aus der Perspektive der Individuen/Mitglieder gedacht; stattdessen stehe die Organisationsperspektive im Vordergrund. 
  3. Wertefragen: Das Bewusstsein über Datenschutzprobleme z.B. bei Facebook und Whatsapp sei vorhanden, die Werthaltungen der Kirche wirkten hierauf sogar verstärkt ein. Allerdings führe fehlendes (Fach-)Wissen über den Umgang mit solch technischen Probleme zu Hemmungen und Ratlosigkeit. Die Nutzung von Plattformen sei daher z. T. einfach nicht gestattet, so z.B. auch die Nutzung von WhatsApp.
  4. Dachwitz hält fest: "In der evangelischen Kirche herrscht bisher kaum eine Kultur vor Technologie als Faktor wahrzunehmen, anstatt sie nur als Mittel zum Zweck einzusetzen." Es fehle die Kultur und das Bewusstsein darüber, dass Technologie selbst gestaltet werden kann. 
  5. "Es gibt kein einheitliches IT-Wesen, keine gemeinsamen IT-Projekte und es fehlt am Wissenstransfer," d.h. die Komfortzone werde nicht verlassen und somit wenig Potenzial für innovative IT-Ansätze geschaffen. 

Dachwitz schließt sein Statement mit der Feststellung, dass es Bewegung gäbe, so hätten unterschiedliche Landeskirchen Strategieprozesse angenommen und es gebe viele Praktiker*innen innerhalb der Kirche die sich z.B. in Barcamps vernetzen. Dennoch sei es noch ein weiter Weg.

Jana Schlender

© Julia Nimke
© Julia Nimke

Vorstand, Mörchenpark e.V.

Janna Schlender ist Vorsitzende des Mörchenpark e.V.. Der gemeinnützige Verein wurde im April 2012 gegründet und bündelt ehrenamtliches Engagement der Bürger*innen in Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteuren. Gemeinsam mit den Unterstützern des Vereins gestalten und begrünen die Mitglieder die vorhandenen und entstehenden Freiflächen auf dem Holzmarkt-Gelände und setzen sich mit urbaner Landwirtschaft auseinander. 

"Wir haben die Schwierigkeit, dass der Verein so viele Kommunikationswege hat und die Mitglieder auch hohe kommunikative Ansprüche stellen, der Verein aber gar nicht die Ressourcen hat, diese zu bedienen."

Der Mörchenpark e.V. hat die Aufgabe, das Versprechen "Spreeufer für Alle" umzusetzen, welches 2008 in einem Bürger*innenentscheid  über die Nutzung des Spreeufers abgeleitet werde. Der Verein betreibt Umweltbildung, Urban Gardening und setzt sich für partizipative Stadtgestaltung ein.

Der Mörchenpark e.V. erhielt im Rahmen des Streits um das Grundstück der ehemaligen Bar 25 im Jahr 2010 viel Aufmerksamkeit, wodurch der Verein sehr schnell eine hohe Anzahl an Mitgliedern verzeichnen konnte. Das sei zwar positiv gewesen, brachte aber auch Schwierigkeiten, insb. hinsichtlich Kommunikation und Management, mit sich. Anfänglich sei viel über E-Mail und diverse Social Media Plattformen (v. a. Facebook) kommuniziert worden. Von den aktiven Mitgliedern sei schnell die Forderung nach alternativen, von Facebook unabhängigen, Kommunikationswegen laut geworden. Der Verein ging dieser Forderung nach und initiierte die Entwicklung einer eigenen Plattform, die von ehrenamtlichen Mitgliedern übernommen werden sollte. Diese vereinsinterne Plattform war letztendlich eine Mischung aus einem Forum und so etwas wie Facebook. "Wir waren sehr stolz darauf und haben versucht, sie zu implementieren. Leider ist die Etablierung der Plattform gescheitert. Das hat insbesondere bei den an der Entwicklung beteiligten Mitgliedern zu großem Frust geführt." Ein Grund für das Scheitern der Plattform sieht Schlender in den unterschiedlichen Aktivitätsgraden der Mitglieder, von denen einige im digitalen Raum sehr aktiv und kompetent seien. Diese Mitglieder hätten versucht, die Plattform zu etablieren, doch hätten sie die Motivation verloren, bevor sich die weniger technikaffinen Mitglieder langsam an die Plattform gewöhnt hätten. 

Adrian De Souza Martins

Adrian de Souza Martins

Mitgründer und Vorstandsmitglied von nepia e.V.

Adrian de Souza Martins ist Mitgründer und Vorstandsmitglied bei nepia e.V.. Der Verein, dessen Name sich aus “Netzwerk für Persönlichkeitsentwicklung in außerschulischen Aktivitäten” zusammensetzt, setzt sich für die Persönlichkeitsentwicklung von Neuköllner Grundschulkindern ein und erarbeitet Projekte mit Partnerschulen und einer Vielzahl von Vereinen. 

"Die Freiwilligen interessieren sich weniger für Öffentlichkeitsarbeit die am PC stattfindet, sondern bevorzugen den direkten Kontakt und die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen."

De Souza Martins ist Mitgründer und Vorstandsmitglied von nepia e.V.. nepia e.V. ist ein Verein für Kinder- und Jugendhilfe, der im Januar 2014 gegründet wurde und sich für die Stärkung der Bildungsgerechtigkeit, Demokratiebildung, gesellschaftlichen Teilhabe sowie Persönlichkeitsentwicklung einsetzt. Der Verein führt wöchentliche Gruppenangebote an Schulen durch, veranstaltet Feriencamps und bildet in Zukunft Jugendliche zu Peer-Gruppenleiter*innen aus. Es gibt zwei Stellen auf Honorarbasis, ansonsten sind alle Aktiven im Verein ehrenamtlich tätig. Da die beiden auf Honorarbasis angestellten Personen nicht genügend Zeit haben, sich um die gesamte Verwaltung zu kümmern, muss der ehrenamtliche Vorstand ebenfalls viel Verwaltungsarbeit übernehmen. 

Zwar sei auf den ersten Blick die Digitalisierung kein Kernthema für nepia e.V., da die Arbeit vom Verein primär offline stattfindet, doch, so De Souza Martins, merke man schnell, dass die Digitalisierung sie dennoch auf vielen Ebenen betrifft. "Es ist ein großer, aber notwendiger Aufwand, ein ansprechendes Bild vom Verein im Internet zu zeichnen. Der Anspruch einer professionellen Internet-Präsenz ist sehr zeitintensiv."

De Souza Martins hebt besonders zwei Aspekte hervor, wie der digitale Raum seinen Verein betrifft:

  1. Verwaltung und interne Kommunikation. Ein Forum scheiterte, weil zu wenige Mitglieder dieses nutzten. Aktuell werde primär über E-Mail und WhatsApp kommuniziert. Darüber werden zwar alle einbezogen und informiert, doch beteiligen/antworten würden sich die wenigsten. "Wenn man die Leute wirklich erreichen und aktivieren will, müssen wir die Leute persönlich ansprechen, um eine garantierte Antwort zu erhalten."  Für die Verwaltung des Vereins wurde u. a. lange Dropbox genutzt, mit der Einführung der DSGVO wurde dies jedoch hinterfragt, was zu einem Umzug der Daten auf einen deutschen Server führte. De Souza Martins bemerkt, dass es sehr aufwendig sei, sich über alternative Angebote zu informieren und zu beraten, welches die beste Lösung für den Verein wäre. "Mit der Einführung der DSGVO kamen viele Sorgen auf, was nun gemacht werden muss und ob wir irgendetwas falsch machen und es war ein sehr hoher Aufwand, sich darüber zu informieren." Schließlich konnte das Neuköllner Engagementzentrum dem Verein beratend zur Seite stehen.
  2. Akquise von finanziellen Mitteln und Freiwilligen. De Souza Martins weist auf die große Anzahl an Plattformen zur Akquise von finanziellen Mitteln und Freiwilligen hin, doch sei es schwer, sich einen Überblick über die effizientesten Plattformen für den Verein zu verschaffen: "Es ist ein relativ großer Aufwand, die Plattformen mit der richtigen Zielgruppe zu finden, die richtige Ansprache zu entwickeln und dann all die Plattformen bei denen der Verein angemeldet ist aktuell zu halten, z.B. in Bezug auf Zahlungsinformationen, News etc.", merkt er an. Während diese Arbeit bisher immer nebenbei lief, hat der Verein seit kurzem eine Person für diese Aufgaben gewinnen können. Es sei sehr schwierig, für diese Arbeit Freiwillige zu finden: "Die Freiwilligen bei nepia e.V interessieren sich weniger für Öffentlichkeitsarbeit, sondern bevorzugen den direkten Kontakt und die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen."

Olivia Reber

Reber

Projektleitung, NEZ-Neukölln

Olivia Reber ist die kommissarische Projektleitung beim Neuköllner EngagementZentrum. Der Verein sieht sich als eine Vermittlungsagentur für Ehrenamtliche. Er berät Menschen, die sich in Neukölln engagieren wollen und vermittelt sie an verschiedene Einsatzstellen vor Ort. 

"Bei der Social Media-Öffentlichkeitsarbeit eines Projekts ist eine schnelle, agile und spontane Reaktion und Postings nötig. Ein dreitägiges Abstimmungsverfahren über einen Post ist dabei nicht möglich. Das funktioniert nicht."

Olivia Reber ist Projektleiterin des Neuköllner EngagementZentrums, das ist die bezirkliche Freiwilligenagentur in Neukölln, die jetzt seit einem Jahr existiert und ein Projekt des Bezirksamtes Neukölln ist (mit EU-Mitteln). Die Trägerschaft liegt bei der AWO Berlin Kreisverband Südost e.V.  Fachberatung erhalten sie durch die Bürgerstiftung Neukölln. Es ist somit ein Kooperationsprojekt, in dem sowohl das Bezirksamt, die AWO und die Bürgerstiftung einen Stellenanteil haben. Aufgabe ist es, Menschen in Neukölln, die sich ehrenamtlich engagieren wollen zu beraten und ein passendes Engagement für sie zu finden. Hierfür hat NEZ-Neukölln viele Kooperationspartner*innen, z.B. auch den nepia e.V.. Außerdem leistet das NEZ Qualifizierungsarbeit im Ehrenamts- und Engagementbereich (z.B. NEZwerk) und manchmal zu Themen wie die DSGVO. Zuletzt will das NEZ Unternehmensengagement fördern, weshalb es zu diesem Thema dieses Jahr auch eine Veranstaltung geben soll. 

Für ihren Verein beschreibt Reber folgende Herausforderungen der Digitalisierung: 

  • Struktur und Hierarchien: In den Bereichen, in denen mit AWO und Bezirksamt zusammengearbeitet wird, existierten Strukturen und Prozesse, die von den Aktiven im NEZ eingehalten werden müssten. Das sei "gerade für Digitalisierung, die relativ schnelllebig ist und von Spontanität lebt, manchmal eine Hürde." Alle Projektpartner möchten sicherstellen, dass die Außendarstellung entsprechend ihrer Vorstellungen ausgeführt wird, was zu langwierigen Abstimmungsprozessen führe. "Bei der Social Media Öffentlichkeitsarbeit eines Projekts ist jedoch eine schnelle, agile und spontane Reaktion und Postings nötig. Ein dreitägiges Abstimmungsverfahren über einen Post ist dabei nicht möglich. Das funktioniert nicht." Mittlerweile hätten sie jedoch eine gute Praxis entwickelt, nachdem ein gutes Vertrauensverhältnis unter den Beteiligten aufgebaut wurde.
  • Fehlende Affinität zur Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Bereich: Es sei schwierig, Personen zu finden, die Interesse an der digitalen Öffentlichkeitsarbeit hätten. Ähnlich, wie bei nepia e.V., war es beim NEZ üblich, dass sich alle drei hauptamtlichen Mitarbeiter neben ihrer regulären Arbeit um das Bespielen der digitalen Kanäle kümmerten. Mittlerweile sei dafür eine Person hauptsächlich zuständig, die diese Arbeit "nebenbei" mache. Eigentlich sei jedoch eine hauptamtliche halbe Stelle dafür nötig.
  • Qualifikation: Ein ähnliches Problem sei die Qualifizierung des Personals und wie sichergestellt werden kann, dass diese immer auf dem aktuellen Level ist.
  • Datenschutz, bzw. interne Datenschutzregeln: Aus Datenschutzgründen dürfen die Mitarbeiter vom NEZ privatwirtschaftliche Technologien/Plattformen wie Doodle, Dropbox und WhatsApp nicht für ihre Arbeit nutzen, sondern müssen sich auf Programme mit europäischen Servern beschränken. Beispielsweise stellte die Suche nach einem digitalen Kalender eine Herausforderung dar. Mit der Lösung (Bitrix24) seien sie jedoch zufrieden. Der Verzicht auf WhatsApp sei insb. für das kurzzeitige Engagement schwierig. So verweist Reber auf die Gewinner des Innovationspreises der BAGFA 2017, die über eine WhatsApp Gruppe unter dem Titel "Whats to do?" Angebote für kurzfristiges Engagement an Freiwillige verschickt. Ein vergleichbares Angebot könnte die NEZ aufgrund der Datenschutzregeln der Verbände nicht starten. Das NEZ nutzt stattdessen Signal, was allerdings in Deutschland relativ unbekannt ist. "Dank der DSGVO ist sogar die Weiterführung des Newsletters ein Problem, da jede Person im Newsletter erst gefragt werden müsste, ob sie diesen eigentlich empfangen will. Da stellt sich die Frage, ob das den Aufwand wert ist", so Reber.
  • Zeitaufwand: "Es benötigt unfassbar viel Zeit, sich in die verschiedenen Medien einzuarbeiten. Facebook auf einer Business-Ebene zu nutzen, ist nicht mit der Privatnutzung gleichzusetzen", stellt Reber fest. Auch die Relevanzeinschätzung von Plattformen und Diensten sei ein großer Zeitaufwand. So werde Facebook von vielen als zunehmend irrelevant eingeschätzt, doch Reber beobachte, dass es im sozialen Bereich noch sehr gut funktioniere. Außerdem habe das NEZ einen Instagram Account, um die Ehrenamtlichen zu erreichen. Bei Diensten wie TikTok, welcher derzeit bei jungen Leuten beliebt sei, müsse man abwägen, ob eine Nutzung ebenfalls Sinn ergeben würde.
  • Infrastruktur / moderne Technik: Natürlich benötige man eine Infrastruktur und moderne Technik, doch damit sei das NEZ gut ausgestattet. Doch auch bei vorhandener Technik könne die Instandhaltung und Wartung ein Problem darstellen, wenn z.B. im Problemfall kein Fachpersonal anwesend sei.

Philipp von der Wippel

wippel

Mitgründer, ProjectTogether

Philipp von der Wippel ist Mitgründer des Sozialunternehmens ProjectTogether. Sein Schwerpunkt liegt in der Umsetzung von Zukunftstrends durch innovative Formen von gesellschaftlichem Engagement. Nach seinem Abitur in München arbeitete er für die BMW Stiftung Herbert Quandt in Berlin. Seit 2015 studiert er Philosophie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Oxford. ProjectTogether begleitet zivilgesellschaftliche Initiativen bei der Umsetzung ihrer Projekte. Mehr als 60 ehrenamtliche Coaches haben inzwischen über 200 Projektgründer bei der Realisierung ihrer Ideen unterstützt.

"Es muss Anreize geben, Kooperationsmodelle zwischen großen Trägern und kleinen Initiativen zu entwickeln. Von allein wird es keine Kooperation geben, da es nicht Teil der institutionellen Logik der großen Träger ist."

Philipp von der Wippel war im Jugendalter im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sehr aktiv und leitet heute ProjectTogether. Er vereine also in sich den Kontrast zwischen  großen, etablierten Trägern und kleinen Grassroots-Initiativen. ProjectTogether wurde als Anlaufstelle aufgebaut um engagierte Personen zu unterstützen, die ein bestimmtes Problem in der Gesellschaft sehen und dafür einen Lösungsansatz haben. ProjectTogether richtet sich an Projekte, die nicht an einen großen Träger gebunden sind, was laut von der Wippel immer öfter vorkommt. Dafür gäbe es viele Gründe, z.B.:

  1. "Es macht v.a. vielen aus der jüngeren Generation mehr Spaß, an einem Problem zu arbeiten, bei dem man Ergebnisse und Erfolge schnell sieht, anstatt sich für langfristige Ämter in festen Strukturen zu verpflichten." 
  2. "Durch die Digitalisierung können sich Initiativen unkompliziert organisieren." Als Beispiel hierfür erwähnt er Fridays for Future, die sich hauptsächlich über WhatsApp organisieren.

Das wesentliche Anliegen von von der Wippel ist die Koppelung zwischen großen Verbänden und kleinen Initiativen. Er betont die Vorteile von kleinen, spontanen Initiativen, die sehr gut darin seien, kurzfristig zu mobilisieren, Enthusiasmus zu wecken und Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit zu schaffen. Letztendlich stelle sich jedoch die Frage nach der Verstetigung: "Wo können diese Grassroots-Initiativen “andocken", damit die in der Zukunft immer mehr entstehenden "bottom-up-Initiativen" mit den traditionellen "top-down-Organisationen" verbunden werden können?" Von der Wippel führt weiter aus: "Es gibt wenig Offenheit, gerade bei den großen Trägern, diese Experimentierräume mit Initiativen zu schaffen." Die Verantwortlichen der großen Träger, so von der Wippel, würden mit den Optionen einer Kooperation mit losen Initiativen außerhalb der Organisation überfordert sein. Ein Beispiel hierfür sei die Fridays for Future-Bewegung (FFF), welche viel organisatorische Unterstützung benötige, die u. a. Greenpeace leisten könnte, wobei Greenpeace keine Kooperationen einginge. Die Verstetigung der FFF-Bewegung in einer Organisation würde ähnliche Strukturen wie Greenpeace aufweisen. Da eine parallele Existenz zweier derart ähnlicher Organisationen nicht sinnvoll erscheine, sollte es letztlich trotz alter Normen zu einer Eingliederung der  FFF-Bewegung bei Greenpeace kommen.

Ein Beispiel für eine nicht gelungene Kopplung ist für von der Wippel die Mobilisierung zur Europawahl, bei der große Träger (z.B. Junge Föderalisten für Europa, Europaparlament) involviert sind, diese aber trotz ihrer großen Budgets und Strukturen Probleme haben, junge Wähler*innen in der digitalen Welt zu mobilisieren. Auf der anderen Seite gibt es kleine Initiativen die dies sehr erfolgreich tun. So z.B. die Initiative #proposals4europe, bei der sich (hauptsächlich) Influencer*innen in den sozialen Medien gegenseitig einen (Wahl-)Heiratsantrag stellen mit der Frage "Willst du mit mir wählen gehen?". An der Kampagne haben bereits Schauspieler*innen, Künstler*innen, Influencer*innen und Sportler*innen teilgenommen, wodurch diese, so von der Wippel, schon über 20 Millionen Menschen erreicht hätten. Von der Wippel glaubt, dass das Europaparlament, trotz höherem Budget eine viel geringere Reichweite hätte. Zum Abschluss bemerkt von der Wippel: "Es muss Anreize geben Kooperationsmodelle zwischen großen Trägern und kleinen Initiativen zu entwickeln. Von alleine wird es keine Kooperation geben, da es nicht Teil der der institutionellen Logik der großen Träger ist."

8. Sitzung: Infrastruktur und Plattformisierung

25. September 2019

Was sind aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren die wichtigsten Entwicklungen im Bezug auf die digitale Infrastruktur im Engagementsektor (wie z.B. verbreitete Software oder Plattformen als auch Probleme oder Vorteile, die Sie darin erkennen) und welche Befürchtungen oder Hoffnungen diesbezüglich haben Sie für die Zukunft?

7. Sitzung: Junge Stimmen

19. Juli 2019

“Wie steht es aus Ihrer Sicht um das junge Engagement in Deutschland? Was müsste die Politik aus Ihrer Sicht tun, um es zu stärken und welche Rolle spielt die Digitalisierung für das junge Engagement?”

5. Sitzung: Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

16. April 2019

Wie verändert sich aus Ihrer Sicht das Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor dem Hintergrund der Digitalisierung? Welche Herausforderungen und Vorteile ergeben sich dadurch für Ihre Arbeit?

4. Sitzung: Trends des digitalen Engagements

16. April 2019

Welche Arten der Engagements oder Möglichkeiten der Umsetzung sind mit der Digitalisierung aus Ihrer Sicht neu entstanden und welche Veränderungen ergeben sich daraus allgemeiner für das Engagement der Zivilgesellschaft heute?

3. Sitzung: Digitalisierung des Engagementsektors

16. April 2019

Welche Veränderungen lassen sich in Zeiten der Digitalisierung im Engagementsektor beobachten und welche Entwicklungen halten Sie für richtungsweisend für das junge Engagement der Zukunft?