Hannes Ley

"Auf dem Fundament unserer freiheitlichen Grundordnung, rechtsstaatlicher Prinzipien und der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit bieten sich uns nun vielfältige Möglichkeiten, durch Online-Kommunikation noch viel stärker in die politische Debatte und Meinungsbildung einzugreifen, ja sogar politisch gestaltend zu wirken."

Hannes Ley, Gründer und Vorstandsmitglied von ichbinhier e.V.

Vera Krick

"Viele Aktive der Wikimedia-Projekte wünschen sich mehr Wertschätzung für ihr zivilgesellschaftliches Engagement. Es fehlt immer noch das Bewusstsein und das Wissen in der Gesellschaft, was digital Engagierte in ihrer Freizeit alles leisten. Hier können auch Politikerinnen und Politiker, sowie staatliche Institutionen noch einen größeren Beitrag leisten."

Vera Krick, Teamleitung Bereich Förderung bei Wikimedia Deutschland e.V.

Katharina Meyer

“Wie zuletzt #saveyourinternet oder #fridaysforfuture zeigten, sind wichtige politische Veränderungen nie ausschließlich durch digitale Maßnahmen zu erreichen, auch wenn sie durch diese unterstützt werden können. Die wirksamsten politischen Wege für Beteiligung/Engagement sind immer noch klassische Interessenarbeit durch Vereine/Verbände/innerhalb der Parteien bzw. Aktivismus auf der Straße.”

Katharina Meyer, Head of Communications bei Prototype Fund, Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.

Dr. Katrin Vohland

“Je intensiver die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren ist, desto weniger hat man mit digitalen Instrumenten zu tun.”

Dr. Katrin Vohland, Leitung des Forschungsbereichs Wissenschaftskommunikation und Wissensforschung im Museum für Naturkunde Berlin

Jean Peters

“In der Zukunft, im postforensischen Zeitalter, wird nichts mehr beweisbar sein durch perfekt veränderbare Ton- und Bildspuren. Wem glaube ich, wem vertraue ich, wenn nichts mehr beweisbar ist? Menschen werden sich immer mehr an vertrauten Marken orientieren.”

Jean Peters, Aktivist beim Peng!Kollektiv

Hannes Ley

"Auf dem Fundament unserer freiheitlichen Grundordnung, rechtsstaatlicher Prinzipien und der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit bieten sich uns nun vielfältige Möglichkeiten, durch Online-Kommunikation noch viel stärker in die politische Debatte und Meinungsbildung einzugreifen, ja sogar politisch gestaltend zu wirken."

Hannes Ley, Gründer und Vorstandsmitglied von ichbinhier e.V.

Vera Krick

"Viele Aktive der Wikimedia-Projekte wünschen sich mehr Wertschätzung für ihr zivilgesellschaftliches Engagement. Es fehlt immer noch das Bewusstsein und das Wissen in der Gesellschaft, was digital Engagierte in ihrer Freizeit alles leisten. Hier können auch Politikerinnen und Politiker, sowie staatliche Institutionen noch einen größeren Beitrag leisten."

Vera Krick, Teamleitung Bereich Förderung bei Wikimedia Deutschland e.V.

Katharina Meyer

“Wie zuletzt #saveyourinternet oder #fridaysforfuture zeigten, sind wichtige politische Veränderungen nie ausschließlich durch digitale Maßnahmen zu erreichen, auch wenn sie durch diese unterstützt werden können. Die wirksamsten politischen Wege für Beteiligung/Engagement sind immer noch klassische Interessenarbeit durch Vereine/Verbände/innerhalb der Parteien bzw. Aktivismus auf der Straße.”

Katharina Meyer, Head of Communications bei Prototype Fund, Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.

Dr. Katrin Vohland

“Je intensiver die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren ist, desto weniger hat man mit digitalen Instrumenten zu tun.”

Dr. Katrin Vohland, Leitung des Forschungsbereichs Wissenschaftskommunikation und Wissensforschung im Museum für Naturkunde Berlin

Jean Peters

“In der Zukunft, im postforensischen Zeitalter, wird nichts mehr beweisbar sein durch perfekt veränderbare Ton- und Bildspuren. Wem glaube ich, wem vertraue ich, wenn nichts mehr beweisbar ist? Menschen werden sich immer mehr an vertrauten Marken orientieren.”

Jean Peters, Aktivist beim Peng!Kollektiv

Expert*inneninputs zur vierten Kommissionssitzung am 18.02.2019

“Wie zuletzt #saveyourinternet oder #fridaysforfuture zeigten, sind wichtige politische Veränderungen nie ausschließlich durch digitale Maßnahmen zu erreichen, auch wenn sie durch diese unterstützt werden können. Die wirksamsten politischen Wege für Beteiligung/Engagement sind immer noch klassische Interessenarbeit durch Vereine/Verbände/innerhalb der Parteien bzw. Aktivismus auf der Straße.”

Katharina Meyer, Head of Communications bei Prototype Fund, Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.

Zur vierten Sitzung

Die Sachverständigenkommission des dritten Engagementberichts trifft sich in etwa monatlich. Zu jeder Kommissionssitzung werden Vertreter*innen von Vereinen, Organisationen oder Aktivist*innen eingeladen, um mit den Kommissionsmitgliedern über ihre Erfahrungen aus der Praxis zu diskutieren.

Das Thema der vierten Sitzung waren die Trends des digitalen Engagements. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Welche Arten der Engagements oder Möglichkeiten der Umsetzung sind mit der Digitalisierung aus Ihrer Sicht neu entstanden und welche Veränderungen ergeben sich daraus allgemeiner für das Engagement der Zivilgesellschaft heute?

Im Folgenden können Sie die Statements der Inputgeber*innen lesen. Es ist außerdem möglich, das vollständige Protokoll herunterzuladen.

Inputgeber*innen

Hannes Ley

ichbinhier e.V.

Zum Statement

Vera Krick

Wikimedia Deutschland e.V.

Zum Statement

Katharina Meyer

Open Knowledge Foundation, Prototype Fund

Zum Statement

Dr. Katrin Vohland

Museum für Naturkunde Berlin

Zum Statement

Jean Peters

Peng!Kollektiv

Zum Statement

Hannes Ley

Hannes-Ley_Sasserath-Ley

Gründer und Vorstandsmitglied von ichbinhier e.V.

Hannes Ley ist Gründer und Vorstandsmitglied des Vereins ichbinhier e. V., der durch verschiedenste Maßnahmen für das Thema Hass im Netz sensibilisiert und Menschen darin bestärkt, gegen Hate Speech vorzugehen. Die Facebook-Gruppe #ichbinhier engagiert sich als überparteiliche Aktionsgruppe. Durch gegenseitiges Liken der mit dem Hashtag verbundenen Beiträge wandern diese in den Kommentarspalten nach oben und bestimmen die Diskussion so mit. Mehr als 45.000 Menschen engagierten sich bereits im Rahmen von #ichbinhier.

"Auf dem Fundament unserer freiheitlichen Grundordnung, rechtsstaatlicher Prinzipien und der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit bieten sich uns nun vielfältige Möglichkeiten, durch Online-Kommunikation noch viel stärker in die politische Debatte und Meinungsbildung einzugreifen, ja sogar politisch gestaltend zu wirken."

"Seit Anfang des neuen Jahrtausends sind durch die Integration von sozialen technischen Funktionalitäten in Webseiten und Plattformen sowie durch die Entstehung von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, youTube, Instagram, etc. neue dialogorientierte Reichweiten- bzw. Massenmedien entstanden.

Dadurch ist eine stark fragmentierte, ausdifferenzierte und dezentralisierte Kommunikationslandschaft gewachsen, die es uns ermöglicht, vor vielen Menschen auf einer digitalen 'Bühne' politisch zu partizipieren und meinungsbildend aktiv zu werden.

Auf dem Fundament unserer freiheitlichen Grundordnung, rechtsstaatlicher Prinzipien und der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit bieten sich uns nun vielfältige Möglichkeiten, durch Online-Kommunikation noch viel stärker in die politische Debatte und Meinungsbildung einzugreifen, ja sogar politisch gestaltend zu wirken. In dieser Hinsicht sind digitale Medien potentiell ein Segen und eine Bereicherung für eine moderne Demokratie, in der sich immer mehr Menschen eine Einbindung in politische Diskussionen und Entscheidungsprozesse wünschen.

Dies setzt allerdings voraus, dass Menschen auf eine derartige Aufgabe entsprechend vorbereitet werden, um qualifizierte Beiträge überhaupt leisten zu können. Und dabei ist es nicht nur wichtig, dass sie inhaltlich zur Debatte beitragen können, sondern auch, dass sie in der Art und Weise ihrer Kommunikation einen sachlichen und respektvollen Ton pflegen, der zu einer konstruktiven Lösungsfindung beiträgt. Letzteres setzt auch ein Bekenntnis zu einem toleranten Miteinander und zu demokratischen Werten voraus. In all diesen Punkten würde ich allen beteiligten Akteuren aktuell die Note „Mangelhaft“ aussprechen.

Anstatt im Netz einen gepflegten und konstruktiven politischen Diskurs zu pflegen, wird die politische Debatte weitestgehend durch die kommerziellen Interessen der Plattform- und Medienbetreiber angeheizt, durch konzertierte und technisch manipulierte 'Meinungshäufungen' von Extremisten vergiftet und durch die mangelnde Zielorientierung der Diskussion, fehlende Moderation und Einhaltung der Netiquette sowie fehlende Strafverfolgung von Hasskriminalität entsteht eine dauerhafte Eskalationsspirale. Auch den Bürger darf man hier nicht aus der Verantwortung lassen. Oft ist er schlichtweg nicht dazu in der Lage, aus der Anonymität des Internets heraus andere respektvoll zu behandeln. Wir haben noch nicht gelernt, Demokratie auch im Netz zu leben.

Wer sehen möchte, wie wirkungsvoll politische Meinungsbildung und dezentralisierter Wahlkampf im Netz sein können, muss sich nur die aktivierende Online-Kommunikation der AfD anschauen oder er beschäftigt sich mit den vorliegenden Analysen zu den Shitstorms gegen den Bürgermeister von Kandel, den Kinderkanal, zahlreiche Politiker der Regierung oder linken Oppositionsparteien sowie gegen den Zentralrat der Juden. Hier zeigt sich, wie toxisch sich politische Debatten im Netz entwickeln und wie sie immer öfter auch als Sprungbrett in die physische Gewalt dienen.

Hier stellt sich mir die Frage, wie der Staat es zulassen konnte, dass digitale politische Partizipation heute weitestgehend in den Kommentarspalten von Privatunternehmen wie Facebook, Twitter, aber auch von Medien wie der Bildzeitung stattfindet und somit quasi in deren Händen liegt und dass es trotz der eben erwähnten Verstöße kaum Vorstöße zu einer Regulierung sowie alternative staatliche Partizipationskonzepte gibt, die sich demokratiefördernd auswirken könnten. Erst nach und nach reagiert die Regierung auf eine Entwicklung, die schon vor vielen Jahren absehbar war und heute traurige Realität ist.

Als Gründer der Facebook-Aktionsgruppe #ichbinhier mit 45.000 Mitgliedern und als Vertreter der digitalen Zivilgesellschaft kann ich nach zweijährigem Online-Aktivismus für eine bessere Diskussionskultur meine Wünsche in ein paar zentralen  Punkten zusammenfassen:

  • Die großen sozialen Plattformen und Medienunternehmen, welche reichweitenstarke Profile auf diesen Plattformen betreiben, müssen mehr Verantwortung für ihre Gemeinschaftsstandards und Netiquetten übernehmen. Sind sie dazu weiterhin nicht in der Lage, sollte der Staat regulierend eingreifen.
  • Extremistische Netzwerkstrukturen, welche sich in geheimen Gruppen in sozialen Netzwerken oder über Instant Messenger zur Koordination von Shitstorms absprechen, sollten überwacht und bei rechtswidrigen Aktivitäten aufgelöst und/oder strafrechtlich verfolgt werden.
  • Hasskriminalität hat im Netz nichts zu suchen. Sie muss wesentlich besser und schneller als bisher aufgespürt, gelöscht und geahndet werden.
  • Staatlich geförderte Digitalisierung bedeutet für mich nicht nur, dass über die Vergabe von 5G Lizenzen gestritten wird, sondern dass der Staat aktiv politische Partizipationsangebote schafft, z.B. durch öffentlich-rechtliche soziale Plattformen.
  • Flächendeckend müssen in den Bildungseinrichtungen Angebote für Trainings in den Bereichen Medienkompetenz und Online- Kommunikation geschaffen werden.
  • Eine unbürokratische Förderung von ehrenamtlichen Initiativen für die Verbesserung der Online-Partizipation und Diskussion ist unbedingt notwendig, damit diese ihren zeitaufwendigen Betrieb aufrechterhalten und sich nachhaltig etablieren können."

Vera Krick

Krick_

Teamleitung Bereich Förderung bei Wikimedia Deutschland e.V.

Vera Krick ist Teamleiterin im Bereich Förderung bei Wikimedia Deutschland e.V. Die Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. arbeitet mit Projekten wie der Wikipedia daran, öffentliche Teilhabe an gesellschaftlichem Wissen zu stärken. Wikimedia wird von vielen Freiwilligen unterstützt und entwickelt u.a. Software um die Mitarbeit von Freiwilligen in den Wikimedia-Projekten zu erleichtern. Darüber hinaus engagiert sich Wikimedia im gesellschaftlichen Diskurs gegenüber Entscheidungsträger*innen dafür, dass freies Wissen eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit wird.

"Viele Aktive der Wikimedia-Projekte wünschen sich mehr Wertschätzung für ihr zivilgesellschaftliches Engagement. Es fehlt immer noch das Bewusstsein und das Wissen in der Gesellschaft, was digital Engagierte in ihrer Freizeit alles leisten. Hier können auch Politikerinnen und Politiker sowie staatliche Institutionen noch einen größeren Beitrag leisten."

Vera Krick merkt an, dass Wikimedias Fördermittel nicht ausgeschöpft würden, da sie zu wenig bekannt seien. Sie verweist auf ein Positionspapier der Wikimedia Foundation "Digitales Ehrenamt auf Augenhöhe". Die letzten Seiten des Positionspapiers enthalten fünf Handlungsempfehlungen mit den Titeln:

  1. Freie Inhalte als wichtige Voraussetzung digitaler Koproduktion
  2. Partizipation ermöglichen
  3. Wertschätzung für digital
  4. Engagierte fördern
  5. Studien für evidenzbasierte politische Entscheidungen
  6. Gezielte staatliche Förderung anschieben

Krick greift einige dieser Punkte auf und bemerkt, dass das digitale Engagement unter fehlenden Anerkennungssystemen, fehlenden Fördermöglichkeiten für digitales Engagement und mangelnder Infrastruktur und digitalen Kompetenzen in den klassischen Engagementstrukturen leiden würde. Die Wikimedia Deutschland e. V. Foundation setzte sich dafür ein, dass alles was öffentlich gefördert werde, auch öffentlich zugänglich sein müsse. Krick erwähnt beispielhaft den komplizierten Zugang zu pädagogischen Materialien, welche mit öffentlichen Geldern entwickelt wurden.

Katharina Meyer

Meyer

Head of Communications bei Prototype Fund, Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.)

Katharina Meyer ist Technikhistorikerin und Head of Communications & Strategy bei Prototype Fund. Prototype Fund fördert gemeinnützige innovative Open-Source-Projekte in den Bereichen Civic Tech, Data Literacy, Datensicherheit und Software-Infrastruktur und ist Teil der Open Knowledge Foundation, die sich mit verschiedenen Projekten für offene Daten, offenes Wissen, Transparenz und Beteiligung einsetzt.

"Wie zuletzt #saveyourinternet oder #fridaysforfuture zeigten, sind wichtige politische Veränderungen nie ausschließlich durch digitale Maßnahmen zu erreichen, auch wenn sie durch diese unterstützt werden können. Die wirksamsten politischen Wege für Beteiligung/Engagement sind immer noch klassische Interessenarbeit durch Vereine/Verbände/innerhalb der Parteien bzw. Aktivismus auf der Straße."

"Ich möchte diese Frage als Verschränkung mit meiner täglichen Arbeitspraxis in der Open Knowledge Foundation beantworten: Die OKF ist ein gemeinnütziger Verein, der in verschiedenen Projekten, so auch dem Prototype Fund, bei dem ich angestellt bin, in diesen Hauptarbeitsbereichen tätig ist:

  • Offene Daten
  • Public Interest Tech
  • Offenes Regierungshandeln
  • Offene Bildung
  • Informationsfreiheit

Mit den Hauptprojekten:

  • Prototype Fund (Funding für PIT Projekten von Selbständigen und interdisziplinären Teams)
  • Jugend hackt (Hackerethik und Grundlagen der kreativen Kollaboration für programmierbegeisterte Jugendliche)
  • Frag den Staat (Portal für Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz, aktuelle Kampagnen: Frag Sie Abi (Abituraufgaben) und Topf Secret (Hygieneberichte für Restaurants).
  • Code for Germany-Labs („Die Stadtentwickler“- bekanntestes Projekt: luftdaten.info- Sensoren und Datenvizportal für Luftqualität)
  • Demokratielabore - Demokratiebildung für Kinder und Jugendliche durch Workshops und digitale Tools
    Alle Informationen finden sich auf okfn.de und prototypefund.de

Unsere Wirkungsfelder:

  1. Wir erforschen die demokratischen Potenziale von (neuen) Technologien auf Anwendungs- und Infrastrukturebene, d.h.: wir entwickeln selbst Software/ Anwendungsfelder, stellen technische Infrastruktur für die Zivilgesellschaft bereit (hosten also z. B. Services, wie kollaborative Schreibpads, die datensparsam sind) und fördern die Umsetzung von Public Interest Technologien unter Open Source-Lizenzen, also: zur Weiterverwertung für jeden zugänglich - insb. durch engagierte Einzelpersonen/Selbständige außerhalb von Institutionen oder Unternehmen, die oft digitale Anwendungen entwickeln, die keine ökonomische Verwertbarkeit zum Ziel haben.
  2. Wir setzen uns für offenes Wissen ein, indem wir uns im Bereich Open Access/Open Science/Open Innovations/Open Hardware/Open Source engagieren.
  3. Wir stärken durch Bildungs- und Kapazitätsbildungsprogramme die digitale Mündigkeit und partizipatorische Technologieentwicklung bzw. ermöglichen, fundierte Kritik an Technologien üben zu können.
  4. Wir vernetzen Menschen, die für eine offene und gerechte Gesellschaft eintreten, d. h. wir betreiben Communityarbeit online, aber vor allem auch offline in sogenannten Labs. Oft bringen wir Politik, Zivilgesellschaft und EntwicklerInnen zusammen.
  5. Außerdem können wir als Träger auftreten bei Initiativen, die von Einzelnen ausgehen, die keine eigene Finanzadministration etc. haben und sonst von Förderungen ausgeschlossen wären.

Wichtige Beobachtungen aus der Praxis:

  • Unsere Tools sind nicht dafür gedacht, staatliche Hoheitsaufgaben oder Innovation innerhalb des Staates zu ersetzen- oft wirken sie erst in Kombination mit Policy-Arbeit (wir gehen auch als Experten in Ausschüsse oder beantworten öffentliche Konsultationen) oder strategischen Klagen (Litigation in Kooperation mit anderen).
  • So haben z.B. die Veröffentlichungen der Anfragen/Antworten von Frag den Staat dazu geführt, dass die Bundestagsverwaltung mehr Dokumente proaktiv zur Verfügung stellt.
    Offene Daten/die Verfügbarkeit von Daten sind eine wichtige Grundlage für (Civic Tech) Innovationen und Services, gleichzeitig gilt es, Datensparsamkeits- und Security-Grundsätze einzuhalten, d.h. bei manchen Projekten macht es Sinn, dass Zivilgesellschaft und Staat Innovation gemeinsam vorantreiben, bei anderen, z.B. Kommunikationsinfrastruktur/ Messengern, ist es angebrachter wenn die technische Infrastruktur aus der Zivilgesellschaft kommt und dann von offizieller Seite gechallenged wird.
  • es geht uns zwar um fundierte Kritik, wir wollen aber durch Best Practice-Cases auch dazu beitragen, dass nicht nur Mittel für unsere Art von Aktivismus bereitgestellt werden, sondern auch fähige Experten in die Regierung berufen werden.
  • wie zuletzt #saveyourinternet oder #fridaysforfuture zeigten, sind wichtige politische Veränderungen nie ausschließlich durch digitale Maßnahmen zu erreichen, auch wenn sie durch diese unterstützt werden können. Die wirksamsten politischen Wege für Beteiligung/Engagement sind immer noch klassische Interessenarbeit durch Vereine/Verbände/innerhalb der Parteien bzw. Aktivismus auf der Straße.
  • Förderpolitik ist noch zu wenig agil aufgestellt um digitales Ehrenamt zu ermöglichen”

Dr. Katrin Vohland

katrin.vohland

Leitung des Forschungsbereichs Museum und Gesellschaft im Museum für Naturkunde Berlin

Dr. Katrin Vohland ist Citizen-Science-Expertin am Museum für Naturkunde in Berlin und leitet dort den Forschungsbereich Museum und Gesellschaft sowie die Abteilung Wissenschaft in der Gesellschaft (WiG). Sie ist unter anderem Teil der Projektleitung der deutschen Citizen-Science-Plattform „Bürger schaffen Wissen“ sowie Executive Chair des europäischen Forschungsnetzwerk zu Citizen Science (Cost Action 1512). Die Plattform ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, Einblicke in wissenschaftliche Prozesse zu erhalten, selbst mit zu forschen und sich aktiv an Diskursen zu beteiligen.

"Je intensiver die Zusammenarbeit zwischen Akteuren ist, desto weniger hat man mit digitalen Instrumenten zu tun."

Vohland unterstützt in mehreren Netzwerken Bürgerwissenschaft/Citizen Science, u. A. mit der nationalen Plattform Bürger schaffen Wissen. Zurzeit startet auch ein EU-Projekt zu Capacity Building für Open Science und Public Engagement.
Der Begriff Citizen Science/Bürgerwissenschaft sei sehr alt, doch seit den 1990er Jahren gäbe es eine neue Entwicklung mit neuem Fokus: von Bürger*innen gesammelte Daten für die Wissenschaft nutzbar machen und Wissenschaft für die Gesellschaft zu betreiben. Zu welchem Ausmaße Bürger*innen an Citizen Science Projekten beteiligt sind, hinge von der Art des Projekts ab. Unterschieden werde zwischen

  • Contributory Citizen Science, oft auch Crowdsourcing genannt: von Wissenschaftler*in entworfene Projekte, zu denen Bürger*innen durch Datengenerierung beitragen, z. B. durch Dokumentation von Luftverschmutzung mit dem Mobiltelefon, dem Zählen von Wildvögeln oder durch Verschlagwortung von Kunstwerken
  • Cooperative Citizen Science: Wissenschaftler*innen und Bürger’*innen entwickeln und verfeinern das Projekt gemeinsam und befinden sich auf Augenhöhe.
  • Extreme Citizen Science: vom Wissenschaftssystem unabhängige Projekte von Bürger*innen oder auch NGOs, bei denen es oft auch um Kontrolle des Wissenschaftssystems ginge

Digitale Tools seien nur für die ersten beiden Formen relevant. "Je intensiver die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren ist, desto weniger hat man mit digitalen Instrumenten zu tun."
Vohland beobachtet, dass sich die Hürden der Beteiligung leicht verschoben hätten. Digitale Instrumente (z. B. Apps) seien besonders für jüngere Leute interessant, die eher projektorientiert arbeiten und geographisch flexibel seien. Gleichzeitig stellten die digitalen Instrumente eine Hürde für ältere Menschen dar, vor denen sie zurückschreckten oder die fehlerhafte Ergebnisse liefern würden. Projekte entstünden zwar oft im Digitalen, im weiteren Verlauf entwickle sich jedoch oft ein Bedürfnis der Beteiligten nach persönlichen Treffen.

Jean Peters

Aktivist beim Peng!Kollektiv

Jean Peters ist Mitglied des Peng! Kollektivs, einer Gruppe von Künstler*innen, Aktivist*innen, Handwerker*innen und Wissenschaftler*innen, die subversive Aktionskunst entwickelt. Ihr Ziel: die Zivilgesellschaft zu mutigeren Kampagnen zu bewegen. Das Kollektiv fordert mit seinen Aktionen auch zu zivilem Engagement im Netz auf, z. B. mit der Kampagne “Zero Trollerance”, die Twitter-User*innen dazu ermutigt, sexistischen Trolle “zurück zu trollen.”

"In der Zukunft, im postforensischen Zeitalter, wird nichts mehr beweisbar sein durch perfekt veränderbare Ton- und Bildspuren. Wem glaube ich, wem vertraue ich, wenn nichts mehr beweisbar ist? Menschen werden sich immer mehr an vertrauten Marken orientieren."

Das Peng!Kollektiv, so Peters, mache 'Tactical Media', es schaffe Narrative, über die dann von traditionellen Medien berichtet werden können. Aktionen hätten das Ziel ein (erneutes) Auseinandersetzen mit bestimmten Themen in den Medien und der Öffentlichkeit zu provozieren. Aktionen des Peng!Kollektivs waren zum Beispiel ein Aussteigerprogramm für Geheimdienst-Angestellte, eine scheinbar vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales stammende Entschuldigung für Hartz IV und eine Software mit der gemorphte Bilder erstellt werden können um automatische Gesichtserkennung zu umgehen. Das Peng!Kollektiv schaffe "Geschichten, um andere Geschichten zu provozieren", aber sie wollen "im Sinne direkter Radikaldemokratie" nicht Fake-News produzieren, sondern "die Leute dazu zwingen, selbst Position zu beziehen."

Die Übernahme der digitalen Welt durch große Unternehmen sei eine erschreckende und offensichtliche Veränderung, insbesondere, weil diese Unternehmen "Railroads" für digitales Verhalten schaffen, also den Rahmen dessen definieren, was im Digitalen möglich ist und akzeptiert wird. Googles algorithmisch gefilterte Suchergebnisse seien ein Beispiel, ebenso wie Instagram, welches das Verhalten von Jugendlichen beeinflusse, indem es gestaltet, welche Art von Fotos auf "dem digitalen Schulhof" den größten Zuspruch in Form von Likes bekommen. Peters schätzt, dass diese Veränderung weitreichende und verheerende Folgen haben werde. Eine weitere, neue Entwicklung sieht Peters im stärker ausgeprägten Bewusstsein der Bevölkerung für die (zumindest theoretisch mögliche) permanente indirekte Überwachung. Er befürchte, dass der Mangel an Intimsphäre die Entwicklung einer starken demokratischen Identität verhindere. Aus diesem Grund sähe das Peng!Kollektiv sich gezwungen, Maßnahmen gegen mögliche Überwachung zu ergreifen (z. B. in Form von Verschlüsselung, Fake-Profilen oder durch den Besitz mehrerer SIM-Karten).

Peters weist darauf hin, dass gerade die rechte Szene in andere Kanäle ("Dark Social") ausweichen würde, um sich der Zensur, die auf vielen Plattformen stattfinde, zu entziehen. Da diese neuen Kanäle nicht moderiert würden, vor dem Staat "geschützt" seien und sich die Mitglieder als Teil einer geschlossenen Gemeinschaft ("Crew") verstünden, könnte dies die Szene noch stärker radikalisieren.

Abgesehen davon attestiert Peters den Presse- und Öffentlichkeitsarbeitsabteilungen der Ministerien eine generelle Zunahme an Medienkompetenz, merkt aber gleichzeitig an, dass diese noch stärker geschult werden müsse. Die Zukunft sieht Peters als "post-forensisches Zeitalter": weil es möglich sein werde, alle objektiven Beweismittel (Audio-, Videoaufnahmen, Fingerabdrücke etc.) perfekt zu fälschen und sich die Frage stelle, wem man noch vertrauen könne, würden sich Menschen vor allem an bekannten Marken, wie z. B. der Jungen Freiheit, der Süddeutschen oder einem Menschen, orientieren.

7. Sitzung: Junge Stimmen

19. Juli 2019

“Wie steht es aus Ihrer Sicht um das junge Engagement in Deutschland? Was müsste die Politik aus Ihrer Sicht tun, um es zu stärken und welche Rolle spielt die Digitalisierung für das junge Engagement?”

6. Sitzung: Lessons Learned

19. Juli 2019

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Schwierigkeiten und Hürden für die Umsetzung von Digitalisierungsschritten (wie z.B. Social Media und digitale Öffentlichkeitsarbeit, Nutzung von Plattformen oder die Umstellung auf neue digitale Infrastruktur) in Organisationen des zivilen Engagements?

5. Sitzung: Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

16. April 2019

Wie verändert sich aus Ihrer Sicht das Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor dem Hintergrund der Digitalisierung? Welche Herausforderungen und Vorteile ergeben sich dadurch für Ihre Arbeit?

3. Sitzung: Digitalisierung des Engagementsektors

16. April 2019

Welche Veränderungen lassen sich in Zeiten der Digitalisierung im Engagementsektor beobachten und welche Entwicklungen halten Sie für richtungsweisend für das junge Engagement der Zukunft?