Shari Dittrich

 “Durch die Digitalisierung gibt es neue Informationsmöglichkeiten für Vereine und ihre Mitglieder. Problematisch ist jedoch, dass der Datenschutz nicht vollständig gewährleistet werden kann!” 

Shari Dittrich, Vorstandsmitglied der Sportjugend Berlin

Matthias Fack

“Pädagogischen Fachkräften in der Jugendarbeit fehlt häufig das Know-How digitaler Medien und Techniken - insbesondere im Vergleich zu den jungen Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten!” 

Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings

Paula Grünwald

“Die größten Herausforderungen für die Förderung des jugendlichen Engagements sehe ich in einer besseren digitalen bzw. kulturellen Bildung mit dem Ziel einer selbstbestimmten, kritischen Nutzung, in Freiräumen für Jugendliche mit neuen technischen Möglichkeiten zu experimentieren, in einer Minderung des Leistungsdrucks, damit diese Freiräume überhaupt genutzt und wahrgenommen werden können sowie im Erlernen und Erleben von Selbstbestimmung und dem dazu nötigen Vertrauen Erwachsener.”

Paula Grünwald, Projektleiterin, Jugend hackt

Uwe Lummitsch

“Oft wird Jugendlichen eine hohe Medienkompetenz unterstellt, welche in Realität eine hohe Nutzungskompetenz ist. Für tatsächliche Medienkompetenz braucht es Erklärung, Begleitung und Unterstützung. Das ist herausfordernd, weil unter den Multiplikator*innen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Digitalen vorherrscht.“

Uwe Lummitsch, Geschäftsführer, Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt e.V. (LAGFA)

Frank Segert

“Es braucht eine deutliche Qualifizierungsoffensive für Fachkräfte in der Jugendarbeit, um den Anschluss an die digitalen Lebenswelten herzustellen und Anerkennung für digitales Engagement zu schaffen.“

Frank Segert, Programmleitung, jugend.beteiligen.jetzt

Shari Dittrich

“Durch die Digitalisierung gibt es neue Informationsmöglichkeiten für Vereine und ihre Mitglieder. Problematisch ist jedoch, dass der Datenschutz nicht vollständig gewährleistet werden kann!” 

Shari Dittrich, Vorstandsmitglied der Sportjugend Berlin

Matthias Fack

“Pädagogischen Fachkräften in der Jugendarbeit fehlt häufig das Know-How digitaler Medien und Techniken - insbesondere im Vergleich zu den jungen Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten!” 

Matthias Fack, Präsident, Bayerischer Jugendring

Paula Grünwald

“Die größten Herausforderungen für die Förderung des jugendlichen Engagements sehe ich in einer besseren digitalen bzw. kulturellen Bildung mit dem Ziel einer selbstbestimmten, kritischen Nutzung, in Freiräumen für Jugendliche mit neuen technischen Möglichkeiten zu experimentieren, in einer Minderung des Leistungsdrucks, damit diese Freiräume überhaupt genutzt und wahrgenommen werden können sowie im Erlernen und Erleben von Selbstbestimmung und dem dazu nötigen Vertrauen Erwachsener.”

Paula Grünwald, Projektleiterin, Jugend hackt

Uwe Lummitsch

“Oft wird Jugendlichen eine hohe Medienkompetenz unterstellt, welche in Realität eine hohe Nutzungskompetenz ist. Für tatsächliche Medienkompetenz braucht es Erklärung, Begleitung und Unterstützung. Das ist herausfordernd, weil unter den Multiplikator*innen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Digitalen vorherrscht.“

Uwe Lummitsch, Geschäftsführer, Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt e.V. (LAGFA)

Frank Segert

“Es braucht eine deutliche Qualifizierungsoffensive für Fachkräfte in der Jugendarbeit, um den Anschluss an die digitalen Lebenswelten herzustellen und Anerkennung für digitales Engagement zu schaffen.“

Frank Segert, Programmleitung, jugend.beteiligen.jetzt

Expert*inneninputs zur fünften Kommissionssitzung am 26.03.2019

“Oft wird Jugendlichen eine hohe Medienkompetenz unterstellt, welche in Realität eine hohe Nutzungskompetenz ist. Für tatsächliche Medienkompetenz braucht es Erklärung, Begleitung und Unterstützung. Das ist herausfordernd, weil unter den Multiplikator*innen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Digitalen vorherrscht.“

Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt e.V. (LAGFA)

Zur fünften Sitzung

Die Sachverständigenkommission des dritten Engagementberichts trifft sich im etwa monatlich. Zu jeder Kommissionssitzung werden Vertreter*innen von Vereinen, Organisationen oder Aktivist*innen eingeladen, um mit den Kommissionsmitgliedern über ihre Erfahrungen aus der Praxis zu diskutieren.

Das Thema der fünften Kommissionssitzung war das Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Wie verändert sich aus Ihrer Sicht das Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor dem Hintergrund der Digitalisierung? Welche Herausforderungen und Vorteile ergeben sich dadurch für Ihre Arbeit?

Im Folgenden können Sie die Statements der Inputgeber*innen lesen. Es ist außerdem möglich, das vollständige Protokoll herunterzuladen.

Inputgeber*innen

Shari Dittrich

Sportjugend Berlin, Ehrenamt Aktiv

Zum Statement

Matthias Fack

Bayerischer Landesjugendring

Zum Statement

Uwe Lummitsch

LAGFA Sachsen-Anhalt e.V. 

Zum Statement

Frank Segert

jugend.beteiligen.jetzt

Zum Statement

Shari Dittrich

Shari Dittrich

Vorstandsmitglied, Sportjugend Berlin Ehrenamt Aktiv

Shari Dittrich ist Vorstandsmitglied der Sportjugend Berlin. Die Sportjugend ist die Jugendorganisation des Landessportbundes Berlin und fungiert als demokratische Dachorganisation für den Berliner Kinder- und Jugendsport und anerkannte freier Träger der Jugendhilfe. Sie sehen sich somit als Interessenvertretung für über 250.000 junge Menschen. In diesem Rahmen bietet die Sportjugend Berlin viele Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements.

 "Durch die Digitalisierung gibt es neue Informationsmöglichkeiten für Vereine und ihre Mitglieder. Problematisch ist jedoch, dass der Datenschutz nicht vollständig gewährleistet werden kann!"

Shari Dittrich sieht die Vorteile der Digitalisierung darin, dass Informationen leicht zugänglich gemacht werden können, jede*r auf diese Informationen zugreifen könne und auch viele Informationsmöglichkeiten geschaffen werden. Dementsprechend würden digitale Plattformen und Apps auch Aufklärung, Werbung und Vernetzung erleichtern und eine größere Sichtbarkeit des Engagements ermöglichen. Problematisch ist für sie, dass Datenschutz und Sicherheit nicht vollständig gewährleistet werden können. Außerdem schätzt sie, dass die Digitalisierung bei manchen eine Entfremdung von der Realität auslösen könnte, diese sich also nur noch im digitalen Raum bewegen würden. Dittrich fordert ein alle zugängliches Internet mit unbegrenzten Datenvolumen. Zudem sollten Datenschutz und Sicherheit stärker gewährleistet werden.

Matthias Fack

(c) Patrick Wolf
(c) Patrick Wolf

Präsident, Bayerischer Landesjugendring

Matthias Fack ist seit 2011 Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR). Der Bayerische Jugendring ist die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und Jugendgruppen in Bayern. Mit seinen 103 Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringen ist er in ganz Bayern vertreten. Er setzt sich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen in Bayern ein und vertritt mit den Mitteln der Jugendarbeit und -politik die Belange aller jungen Menschen im Freistaat.

"Pädagogischen Fachkräften in der Jugendarbeit fehlt häufig das Know-How digitaler Medien und Techniken - insbesondere im Vergleich zu den jungen Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten!"

Matthias Fack beschreibt, dass Digitalisierung allgegenwärtig sei und auch junge Menschen ständig begleiten würde, doch glaubt er auch, dass die Digitalisierung im Engagementsektor noch relativ am Anfang stehe. So hätten auch junge Menschen keine genaue Vorstellung davon, wie sie ihr Engagement transformieren könnten und welche neuen Räume und Möglichkeiten die Digitalisierung für die Ausübung des Engagements bieten würde. Fack unterscheidet zwischen zwei Ebenen: zum einen die institutionelle/administrative Ebene, auf der die Digitalisierung schon weit vorangeschritten sei. Z. B. habe E-Mail die postalische Kommunikation abgelöst, WhatsApp-Gruppen würden zur Diskussion genutzt und es gäbe Überlegungen, Förderanträge digital zu gestalten. Die zweite Ebene betreffe den pädagogischen Bereich, wo die Digitalisierung noch ganz am Anfang stehe. Im pädagogischen Bereich fände zur Zeit ein Suchprozess statt, der sich zum Beispiel anhand eine Fachprogramms zeige, dass der Bayerischen Jugendring (BLJR) zusammen den finanziellen Mitteln des Bayerischen Staatsregierung für Medienpädagogik aufgelegt habe, und an dem Jugendorganisationen und Träger der Jugendarbeit Anträge beim BJR stellen können.Im Rahmen dieses Fachprogramms würden Jugendorganisationen finanzielle Mittel relativ frei, aber mit einer Zielrichtung, zur Verfügung gestellt, um Erkenntnisse zu erhalten, welche Bedarfe bestehen, um Weiterentwicklungen in der Jugendarbeit anzustoßen oder nachhaltig absichern zu können. Es seien schon Projekte durch dieses Fachprogramm entstanden, so z. B. bei den Pfadfindern, die Wanderungen online dokumentiert haben. Zu solchen innovativen Projekten seien die meisten Bünde aufgrund mangelhafter technischer Ausstattung z. Zt. jedoch nicht fähig. Dies liege u. a. an einem zu starken Fokus auf Schulen und Schulklassen in den Diskussionen über Digitalisierung. Der außerschulische Bereich hingegen bliebe komplett außen vor und drohe abgehängt zu werden. Somit fordert Fack, dass die Politik nicht nur schulische Projekte in Bezug auf Digitalisierung fördern sollte. Auch außerschulische Organisationen in der Jugendarbeit hätten Förderbedarf. Ein weiterer Grund für die mangelnde Digitalisierung des Pädagogikbereichs sei das mangelnde Know-How der Fachkräfte in der Jugendarbeit, insb. verglichen mit den jungen Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten sollten. Es bestehe eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Mediennutzungskompetenzen von jungen Menschen und Fachkräften, weshalb die Fachkräfte die jungen Menschen nicht ausreichend unterstützen können. Fack sehe ein Problem in der Fokussierung der Fachkräfte auf die negativen Aspekte und der Gefahren der Digitalisierung (und des Internets). Chancen und Möglichkeiten des Digitalen würden nicht wahrgenommen, weshalb hier (Nach-)Qualifizierungsbedarf bestünde. Damit zusammenhängend bemängelt Fack die zunehmende Regulierung (DSGVO, Urheberrecht). Durch diese Regulierungen, so Fack, herrsche Unsicherheit, Unklarheit und die Angst bei Jugendgruppen sich durch online Aktivitäten unbewusst strafbar zu machen. Die zunehmende Regulierung und Komplexität sei für junge engagierte Menschen fast nicht mehr zu überblicken.

Paula Grünwald

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Projektleiterin, Jugend hackt

Paula Grünwald ist Projektleiterin bei Jugend hackt, ein Programm zur Förderung des Programmierer*innennachwuchses im deutschsprachigen Raum. Jugend hackt organisiert regelmäßig in verschiedenen Städten Hackathons für Jugendliche. Zusätzlich soll in diesem Jahr das Angebot um ganzjährige Angebote an festen Standorten unter dem Namen Jugend hackt Labs erweitert werden. In diesen Labs sollen Workshops, Vorträge und vieles mehr angeboten werden.

"Die größten Herausforderungen für die Förderung des jugendlichen Engagements sehe ich in einer besseren digitalen bzw. kulturellen Bildung mit dem Ziel einer selbstbestimmten, kritischen Nutzung, in Freiräumen für Jugendliche mit neuen technischen Möglichkeiten zu experimentieren, in einer Minderung des Leistungsdrucks, damit diese Freiräume überhaupt genutzt und wahrgenommen werden können sowie im Erlernen und Erleben von Selbstbestimmung und dem dazu nötigen Vertrauen Erwachsener."

Paula Grünwald hat uns ihr Statement schriftlich zukommen lassen:

"Erst einmal vielen Dank für die Einladung der Kommission zu diesem Treffen. Durch meine Arbeit als Programmleiterin für Jugend hackt habe ich das große Privileg Jugendlichen einen offenen Raum für ihre technologischen Interessen und Fähigkeiten bieten zu können und zu erleben, wie sie diese Interessen und Fähigkeiten für die Lösung gesellschaftlicher Probleme einsetzen. Manchmal geht es dabei um kleine alltägliche Probleme, wie das nervige frühmorgendliche Aufstehen, manchmal um große gesellschaftliche Themen wie die Klimakrise, Datenschutz und Privatsphäre, Leistungsdruck oder Geschlechtergerechtigkeit.

Was sich am Engagement junger Menschen vor dem Hintergrund der Digitalisierung aus meiner Sicht verändert hat, sind – mit einigen Ausnahmen – nicht die Themen, die sie beschäftigen, sondern die Art und Weise mit der sie diese Themen bearbeiten können. Prof. Dr. Benjamin Jörissen arbeitet hier mit dem Begriff der postdigitalen Jugendkultur und meint damit, dass sich digitale Praxen so tief in alle Lebensbereiche eingeschrieben haben, dass Jugendliche keinen analogen Referenzraum mehr haben, also die Unterscheidung digital oder analog gar nicht mehr treffen können, weil sie keinen Zeitraum ohne digitale Sphäre mehr kennen.

Das hat natürlich Auswirkungen auf das Engagement von Jugendlichen. Ein Jugendlicher der #fridaysforfuture Bewegung hat beispielsweise einen Bot programmiert, der die verschiedenen Kommunikationskanäle der Bewegung, wie Whats App- und Facebookgruppen oder Discord Channels bündelt. Auch dadurch wurde die rasante internationale Ausbreitung des Streiks ermöglicht und es zeigt, wie vollkommen selbstverständlich digitale Tools genutzt und vernetzt werden um analogen Protest zu ermöglichen - wobei diese Unterscheidung vermutlich eben nur noch für über 25-Jährige Sinn macht.

In einer Studie des SINUS-Instituts von 2016 berichten die Autor*innen, dass die meisten Jugendlichen durchaus einen kritischen Blick auf ihre Mediennutzung und ihren medial geprägten Alltag haben. Sie erkennen die Risiken und wünschen sich eine bessere Bildung im Bereich der selbstbestimmten Nutzung. Sie erkennen, was auch Forscher*innen bestätigen, digitale Teilhabe ist heutzutage der Schlüssel zu sozialer und kultureller Teilhabe.

In diesem Sinne arbeiten wir bei Jugend hackt größtenteils mit privilegierten Jugendlichen. Ihre starke intrinsische Motivation sich mit Technologie und ihrer Funktionsweise zu beschäftigen verschafft ihnen ein tieferes Verständnis für algorithmische Logiken und Datenbanken, als dem Großteil ihrer Altersgenoss*innen. Wir versuchen sie deshalb bei unseren Angeboten vor allem für die sozialen und kulturellen Auswirkungen von Technologie entlang der Hacker*innen-Ethik zu sensibilisieren.

Der Raum, den wir den Jugendlichen auf unseren Veranstaltungen geben, ist für viele von ihnen Identitätsstiftend, weshalb sich eine deutschlandweite Community um Jugend hackt gebildet hat. Die Gründe dafür sind vielfältig und teilweise durch wissenschaftliche Evaluationen bestätigt. Wir bieten den Jugendlichen einen offenen Raum für sozialen Austausch unter Gleichgesinnten, ihre Ideen und Lernziele stecken sie sich selbst. Unterstützt werden sie beim Erreichen dieser Ziele durch technisch versierte Mentor*innen, die ihnen auch als authentische Vorbilder dienen. Zudem fördern wir Teamgeist und Fehlerkultur. Nicht zuletzt verschaffen wir ihren Ideen und ihrer Arbeit zu Anerkennung durch öffentliche Präsentationen. Unser großer Vorteil ist unsere starke Vernetzung innerhalb der deutschen Hacker*innen-, Maker*innen- und Civic Tech-Szene. Dank dieser können wir auf einen großen Pool an technisch versierten ehrenamtlichen Mentor*innen zurückgreifen und strahlen für die Jugendlichen Authentizität aus.

In diesem Sinne sehen wir die größten Herausforderungen der Förderung des jugendlichem Engagements in einer besseren digitalen, bzw. kulturellen Bildung mit dem Ziel einer selbstbestimmten, kritischen Nutzung und medialer Produktion, in Freiräumen für Jugendliche, um mit neuen technischen Möglichkeiten zu experimentieren, in einer Minderung des Leistungsdrucks, damit diese Freiräume überhaupt wahrgenommen werden können, im Erlernen und Erleben von Selbstbestimmung und im dazu nötigen Vertrauen von Seiten Erwachsener.

Zur Umsetzung dieser Herausforderungen braucht es nachhaltige und verlässliche Strukturen. Orte, die Jugendliche regelmäßig besuchen und sich zu eigen machen können, sowie pädagogisches und technisch geschultes Personal, dass sie dort sinnvoll begleitet.

Was dabei nicht hilft, sind ständige Modellförderungen, die diese Verlässlichkeit unmöglich machen. Bei zu vielen Leuchtturmprojekten besteht die Gefahr, die Küste vor lauter Leuchten nicht mehr zu sehen.

Wir wünschen uns von den Jugendlichen Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen und Entscheidungsprozesse, denn erst sie ermöglichen Engagement. Was dabei definitiv nicht hilft, ist ein Ministerium, dass genau den Projekten, die diese Demokratiebildung betreiben, soweit misstraut, dass es sie ohne deren Wissen und Zustimmung vom Verfassungsschutz überprüfen lässt und natürlich helfen dabei auch nicht Politiker*innen, die jugendliche Protestbewegungen marginalisieren."

Uwe Lummitsch

(c) Isabella Kramarz
(c) Isabella Kramarz

Geschäftsführer, LAGFA Sachsen-Anhalt e.V.

Uwe Lummitsch ist Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt e.V. (LAGFA-LSA) und Projektleiter des Pojekts "Jugend im Land 3.0". Die LAGFA-LSA hat als Ziel die dauerhafte Etablierung von Freiwilligenagenturen und Ehrenamtsbörsen zu unterstützen und fungiert als verbandsunabhängiges Fach-Netzwerk für die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements. Das Modellprojekt “Jugend im Land 3.0” der LAGFA-LSA, will anhand digitaler Instrumente sowie bewährten Methoden politischer Bildung neue Formen demokratischer Mitbestimmung und der Förderung bürgerschaftlichen Engagements bei Jugendlichen in ländlichen Regionen erproben und entwickeln.

"Oft wird Jugendlichen eine hohe Medienkompetenz unterstellt, welche in Realität eine hohe Nutzungskompetenz ist. Für tatsächliche Medienkompetenz braucht es Erklärung, Begleitung und Unterstützung. Das ist herausfordernd, weil unter den Multiplikator*innen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Digitalen vorherrscht."

Lummitsch betont die Unterschiede zwischen der Betrachtungsweise der Digitalisierung als Ganzes und der Beschränkung auf das digitale Engagement. Denn es gebe Unterschiede zwischen privilegierten und weniger privilegierten Jugendlichen. Digitale Medien würden von jungen Menschen wie selbstverständlich, nicht anders als bei Erwachsenen, zur Kommunikation genutzt. Das Medium der Kommunikation sei das Smartphone, die Smart-Uhr oder ähnliches. Heute könne deshalb auch sehr viel flexibler und schneller auf Entwicklungen reagiert werden. "Das ist für die Engagementförderung hilfreich, unter Umständen aber auch herausfordernd, wenn die entsprechenden anleitenden Multiplikator*innen nicht in der Lage sind, mit den Medien vertrauensvoll und in ähnlicher Geschwindigkeit mit den jungen Menschen zu kommunizieren. Es ist somit eine wichtige Aufgabe, die Medienkompetenz der Multiplikator*innen und Eltern zu fördern, sie in dem Prozess zu begleiten und zu befähigen."

Dabei sei unstrittig, dass Multiplikator*innen und Eltern hier von jungen Menschen lernen könnten. Eine Herausforderung sei der Zugang zum Digitalen. Insbesondere für den ländlichen Raum wünscht sich Lummitsch, dass dieser überhaupt erst einmal Zugang erhält. Er verweist hier auf die hohe Kreativität junger Menschen, die für die schlechte Internetabdeckung im ländlichen Raum eigene Lösungen entwickeln würden, indem sie z. B. ihre Modems und Datenvolumen kombinieren und sich so eigene Hotspots schaffen. Hier sehe er ein hohes Innovationspotenzial das unterstützt werden sollte. Auch Lummitsch betont, dass es "im nicht-schulischen Bereich ein hohes Maß an kompetenter Begleitung der jungen Menschen" bräuchte. Die Digitalisierung ermögliche außerdem die Bildung neuer Communities jenseits der lokalen Räume (er verweist hier auf die Klimadebatte). Doch dies hieße nicht, dass sich die Menschen nicht begegnen wollten und diese Begegnung nicht bedeutend für die Vertrauensbildung wäre: "Das Digitale ist eine Chance, in all den europäischen oder weltweiten Projekten in Kontakt zu treten und miteinander zu interagieren, über Zeiträume hinweg, bis wieder persönliche Treffen entstehen."

Herr Lummitsch sieht folgende Herausforderungen:

  • Zwar wüssten die Verbände, wo sie Jugendliche erreichen können, doch sei das wie manchmal eine Herausforderung, was in den fehlenden Kompetenzen und in der Form der Ansprache begründet sei.
  • "Oft wird Jugendlichen eine hohe Medienkompetenz unterstellt, welche in Realität eine hohe Nutzungskompetenz ist. Für tatsächliche Medienkompetenz braucht es Erklärung, Begleitung und Unterstützung. Das ist herausfordernd, weil unter den Multiplikator*innen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Digitalen vorherrscht."
  • Zwar sehe er u. A. für Heimatvereine eine Chance darin, dass sie mit neuen Medien auch junge Menschen ansprechen könnten, doch würde dies eine größere Motivation zum Umdenken benötigen. Sensibilisierung und Kompetenzbildung auf beiden Seiten, um auch bei neuen Entwicklungen mithalten zu können, sei deshalb eine weitere Herausforderung.

Frank Segert

Programmleitung, jugend.beteiligen.jetzt

Frank Segert ist Projektleiter bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Die DKJS ist neben der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. und dem Deutschen Bundesjugendring Co-Initiator des Projekts jugend.beteiligen.jetzt. jugend.beteiligen.jetzt bietet Hilfe für die Praxis digitaler Jugendbeteiligung. Die Plattform stellt Know-how zu Prozessen und Tools bereit und bietet Qualifizierungen an. Sie zeigt gute Beispiele und verlinkt ausgewählte Jugendbeteiligungsprojekte.

"Es braucht eine deutliche Qualifizierungsoffensive für Fachkräfte in der Jugendarbeit, um den Anschluss an die digitalen Lebenswelten herzustellen und Anerkennung für digitales Engagement zu schaffen."

 Frank Segert stellt vier Thesen vor, die aus der Zusammenarbeit mit "jugendlichen Initiativen, Kommunen und der Jugendhilfe in den letzten Jahren" entstanden seien.

1. These: "Digitales Engagement von Jugendlichen wird nicht anerkannt"

Segert kritisiert, dass viele Studien digitales Engagement sehr eng umfassen würden, indem sie dieses nur als "Abbild analoger Engagemenstrukturen erfassen" und nur bestimmte Formen erheben, wie z. B. die Teilnahme an Petitionen oder den Zugriff auf bestimmte Beteiligungsplattformen. Der Zuspruch zu diesen spezifischen Formen sei dann so gering, dass der Eindruck entstünde, dass Jugendliche sich nicht digital engagieren würden. Als Beispiel für einen weiter gefassten Engagementbegriff verweist er auf die Studie Jugendengagement und digitale Teilhabe: "Die Studie belegt deutlich, dass digitale Instrumente längst in die Engagementlandschaft junger Menschen eingeflossen sind, aber in der Wahrnehmung der Erwachsen oft als Clicktivism oder 'Daddeln' ohne jegliche Wirkung angesehen wird". Segert verweist auf die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung von unterschiedlichen Tätigkeiten die als Engagement gelten könnten. So werde die Mitgliedschaft in einem Fußballverein eindeutig als Engagement gesehen, während das Training für Turniere bei Computerspielen (League of Legends o. ä.) als Daddeln oder bestenfalls Freizeitbeschäftigung wahrgenommen wird.

2. These: "Digitales Engagement von Jugendlichen ist vielfältig"

Das League of Legends Training sei aus seiner Sicht genauso als Engagement zu verstehen, wie Social Media Kampagnen, bspw. die der Jungen Europäischen Bewegung Berlin-Brandenburg, die unter dem Hashtag "Machs Europäisch" den neu gebildeten Bundestag aufgefordert hat, die Europapolitik voranzubringen. Für zahlreiche Initiativen von Jugendlichen gehöre die Bereitstellung von Informationen genauso dazu wie digitale Kommunikation nach außen und innen, wie z. B. auf Social Media Kanälen. Segert nennt beispielhaft das Handicap-Lexikon, welches von zwei Jugendlichen mit körperlicher Behinderung gestartet worden sei. Die beiden seien auf Youtube, Twitter und weiteren Plattformen aktiv und nutzten das Handicap-Lexikon auch um z. B. neue Engagierte zu akquirieren. Es gäbe aber auch technisch sehr anspruchsvolle Projekte, z. B. im Bereich Civic- Tech, dem Programmieren von Apps oder Lernprojekte die Coden beibringen. Ein Beispiel sei die App MeinMoers die von einem Jugendlichen entwickelt wurde, der in einem Hackathon die Grundzüge des Codens kennengelernt habe und danach festgestellt hätte, dass der Stadt eine Orientierungshilfe für Jugendliche im digitalen Raum fehlen würde. Er sei in der Lage gewesen, die Stadt davon zu begeistern die App mit ihm zusammen zur Marktreife zu führen. All diese Formen, so Segert, hätten Erwachsene vermutlich nicht im Sinne, wenn sie von Engagement sprechen.

3. These: "Jugendliche unterscheiden nicht zwischen digitalem und analogem Engagement"

Segert hält beispielhaft fest: "Jugendinitiativen wie Fridays for Future verbinden Informationsaustausch, Mobilisierung, und Koordination auf digitalen Kanälen mit handfesten Protesten in den Innenstädten." Des Weiteren weist er darauf hin, dass #MeToo real-weltliche sexualisierte Gewalt gegen Frauen und junge Mädchen, auf die Agenda der Gesellschaft bringen konnte, weil sich viele getraut hätten ihre Erlebnisse im digitalen Raum laut zu machen. Das Berliner Jugendportal "Jup! Berlin" habe die Geschichten von Jugendlichen, die dort in der Reaktion sitzen, geteilt und ein Video produziert in dem die Gewalterlebnisse hoch emotional und persönlich geschildert werden. Es mündet in den Aufruf, dafür zu sorgen, dass diese Art sexualisierter Gewalt aufhören solle. Segert stellt hierzu klar: "Es ist nicht die Aufgabe von diesen Jugendlichen, politische Maßnahmen vorzuschlagen. Es ist die Aufgabe von Erwachsenen und Begleiter*innen, diese Aufgabe zu sehen und zu erkennen und in Strukturen zu übersetzen, die an der Problemstellung arbeiten können, sei es die politische Ebene oder eine Strafverfolgungsbehörde. Das Engagement erwächst aus real-weltlichen Zusammenhängen und wird dann auf digitalen Kanälen abgebildet und umgekehrt finden digitale Initiativen ihren Niederschlag bei Demonstrationen, Nachbarschaftsaktionen oder in Publikationen. Die Grenze zwischen Digital und Analog ist also in der jugendlichen Lebenswelt, mindestens in der der urbanen Jugendlichen, aufgelöst." Doch hält er fest: "Jugendinitiativen sind beim Projektmanagement mit zeitgemäßen Methoden weitestgehend auf sich allein gestellt und engagierte Jugendliche erhalten wenig Unterstützung von Erwachsenen." Unterstützung in Fragen von digitalen Tools oder digitalen Themen bekämen Jugendliche bestenfalls von Peers oder von einzelnen digitalaffinen Fachkräften aus der Jugendhilfe, wie beispielsweise aus dem Netzwerk von Jugend hackt. Fachprogramme im Kontext der Medienbildung seien für Fachkräfte aus der außerschulischen Jugendhilfe nicht obligatorisch. Die offene Jugendarbeit habe sich in den letzten Jahren außerdem aus der Fläche zurückgezogen, so warnte das Deutsche Kinderhilfswerk von einem Bedeutungsverlust der Kinder- und Jugendarbeit wenn nicht die Ausgaben und die Verbreitung drastisch steigen würden. Laut Segert existiert "keine adäquate Unterstützungslandschaft", in der Jugendliche Fragen zu passenden Tools für ihr Engagement, zu Datenschutz oder dem Schutz der Persönlichkeitsrechte stellen könnten. Das Projekt jugend.beteiligen.jetzt hat das Curriculum "Praxis Digitale Jugendbeteiligung" veröffentlicht und möchte damit aufzeigen, welche Inhalte für die Jugendarbeit gefragt seien.

4. These: "Eine Stärkung der Jugendhilfe im außerschulischen Bereich ist dringend nötig"

All die zuvor erwähnten Jugendinitiativen, so Segert, würden Themen bearbeiten, in denen unsere Demokratie aktuell herausgefordert wird und bei denen diese Jugendinitiativen zu den lautstärksten Gruppen gehörten. Emanzipatorische, netzpolitische und Klimafragen seien zudem Paradebeispiele für Politikfelder, in denen der Age Gap zwischen Regierten und Regierenden besonders augenfällig sei: "Es braucht also eine deutliche Qualifizierungsoffensive für Fachkräfte, um den Anschluss an diese digitalen Lebenswelten wiederherzustellen und Anerkennung für digitales Engagement zu schaffen."

7. Sitzung: Junge Stimmen

19. Juli 2019

“Wie steht es aus Ihrer Sicht um das junge Engagement in Deutschland? Was müsste die Politik aus Ihrer Sicht tun, um es zu stärken und welche Rolle spielt die Digitalisierung für das junge Engagement?”

6. Sitzung: Lessons Learned

19. Juli 2019

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Schwierigkeiten und Hürden für die Umsetzung von Digitalisierungsschritten (wie z.B. Social Media und digitale Öffentlichkeitsarbeit, Nutzung von Plattformen oder die Umstellung auf neue digitale Infrastruktur) in Organisationen des zivilen Engagements?

4. Sitzung: Trends des digitalen Engagements

16. April 2019

Welche Arten der Engagements oder Möglichkeiten der Umsetzung sind mit der Digitalisierung aus Ihrer Sicht neu entstanden und welche Veränderungen ergeben sich daraus allgemeiner für das Engagement der Zivilgesellschaft heute?

3. Sitzung: Digitalisierung des Engagementsektors

16. April 2019

Welche Veränderungen lassen sich in Zeiten der Digitalisierung im Engagementsektor beobachten und welche Entwicklungen halten Sie für richtungsweisend für das junge Engagement der Zukunft?